August 2025
Mit dem Wind ...
… werden die Tage schon wieder kürzer. Einfach unglaublich, wie schnell der Sommer vorbeirauscht und der Herbst bereits den Startblock verlassen hat. Auch die Teilnehmerinnen und Teilnehmer unserer beiden großen Sommerfreizeiten sind inzwischen wieder irgendwo in Deutschland in ihrem Alltag angekommen. Zeit also, ein wenig über die vergangenen Wochen nachzudenken.
Ein kleines Event, das traditionell zum Programm der Familienfreizeiten gehört, möchte ich Ihnen heute kurz vorstellen. Der ultimative Sandburgenbau-Wettkampf am Otto-Strand ist jährlich eines der absoluten Highlights. Dabei wetteifern bunt zusammengewürfelte Teams mit mindestens acht Teilnehmenden (es können aber auch mal 15 oder mehr sein) darin, in nur 20 Minuten entweder die höchste oder aber die schönste Sandburg zu errichten.
Die Prämierung der höchsten Burg stellt für die Jury in der Regel kein Problem dar. Falls das Augenmaß mal nicht ausreicht, wird eben zum Zollstock gegriffen. Irrtum? Unmöglich! Zahlen lügen nicht.
Ganz anders sieht es da bei der Bewertung der schönsten Burg aus. Und das liegt in der Natur der Sache. Schönheit ist relativ. Während die Faktenlage bei der Bewertung der Höhe für sich spricht, existiert keine objektive Maßeinheit, kein Messinstrument für die Schönheit eines Bauwerks. Das gilt im Übrigen keineswegs nur für die Sandburgen am Otto-Strand. Der Versuch, den künstlerischen Wert einer Kür beim Tanzen, Eiskunstlauf oder Dressurreiten zu bewerten, ist in meinen Augen pure Willkür. Die technischen Schwierigkeiten, die können beurteilt werden. Aber die Schönheit oder Ästhetik einer Darbietung in ein Raster aus Punkten oder Noten pressen? Das war noch nie mein Fall.
Schönheit liegt einzig und allein im Auge des Betrachters. Sie lässt sich nicht isoliert bewerten, sondern ist in ein kompliziertes Geflecht aus Gefühlen, Emotionen, Beziehungen und Erfahrungen eingewoben.
Eine krakelige Kinderzeichnung, die vom Kunstlehrer mit einem „Ungenügend“ bewertet wurde, stellt für die liebenden Eltern ein wundervolles Kunstwerk dar. Oder nehmen wir nur das eigentlich recht kitschige Urlaubsandenken, das seine Schönheit aus den ganz besonderen Erinnerungen bezieht, die wir mit ihm verbinden.
Das menschliche Auge sieht nicht neutral, sondern nimmt Menschen, Dinge und Situationen immer wertend wahr. Dabei wird unser Wertesystem von persönlichen Erfahrungen, dem Lebensumfeld und – in unserer Zeit leider immer häufiger – von gesellschaftlichen Trends und Moden geprägt. Die Werbung, das Internet und der Mainstream definieren Schönheit unter kommerziellen Gesichtspunkten und oberflächlichen Aspekten. Wahre Schönheit kommt von innen? Bloß nicht! Viel zu individuell.
Ich behaupte: Nichts und niemand ist per se hässlich, nur weil eine Mehrheit – und sei sie noch so groß – meint, das so festlegen zu müssen. Auf welche Grundlage ich meine These stütze? Das ist doch ganz einfach: Gott in seiner Allmacht und Größe würde doch nie etwas Hässliches erschaffen. Warum auch? Hat er doch gar nicht nötig. Unsere Aufgabe, und das kann manchmal ganz schön schwierig sein, ist es, die Schönheit der Schöpfung in all ihren Nuancen zu erkennen und zu begreifen. Hat aber ja auch niemand gesagt, dass Gott uns die Sache einfach macht. Für solche vollmundigen Versprechungen sind eher die oben genannten Player zuständig.
Die Jury-Entscheidung beim Sandburgen-Schönheitswettbewerb ist übrigens gar nicht so schwer, wie das auf den ersten Blick scheinen mag. Im Wissen um die Vielfalt der Schönheit gilt es nur, mit scharfem Blick die individuellen Schönheitsmerkmale jeder Burg zu erkennen und bei der Preisverleihung zu würdigen. Und verdient gewonnen haben am Schluss dann wirklich alle.